25 Jahre Chapati

(Wer noch mehr erfahren möchte findet hier einen persönlichen Rückblick von Hamid aus dem Jahr 2002. Einen Fotorückblick der Chapati-Kollektionen der letzten 25 Jahre findet ihr hier.)

 

Als Hamid Mohammadi 1986 im Alter von 19 Jahren nach Deutschland kam, hätte er nicht gedacht, dass er eines Tages ein eigenes Modelabel gründen würde. Der Erfolg dieses Labels wird 2022 mit seinem 25-jährigem Jubiläum gefeiert. Inzwischen sichert er 45 Arbeitsplätze in Deutschland und 159 in Indien. Doch zunächst musste er als politischer Geflüchteter sein Abitur nachholen, da sein Schulabschluss aus dem Iran in Deutschland nicht anerkannt wurde. Im Anschluss studierte er Kunststofftechnik bzw. Textilingenieurwesen, was auch seine Familie im Iran sehr stolz machte. Die tiefe Bindung zu seiner Mutter konnte auch die Entfernung nicht trüben. Ihre Lieblings-Weisheit, welches sie ihm mit auf den Weg gab war: “Was vom Herzen kommt, sitzt im Herzen.”

 

Hamid Mohamadi im Jahr 2021

Zum Ende seines Studiums lernte Hamid einen langhaarigen, graubärtigen Iraner namens Reza in Darmstadt kennen. Reza war selbstständig und erzählte viel von seinem Leben als reisender Kaufmann. Für Hamid war dies sehr inspirierend und er sparte Geld, um seinen neu entfachten Traum zu verwirklichen. Reza empfahl ihm, sich in Berlin niederzulassen. Diese bunte, kreative Stadt würde seinen Charakter am Besten wiederspiegeln. So kam es und Hamid zog nach Berlin.  

Eines Tages schlenderte Hamid über eine globale Händlermesse in Berlin. Auf der Suche nach dem richtigen Produkt für seine ersehnte Selbstständigkeit, kam er ins Gespräch mit einem indischen Lieferanten für Stoffe. Narinder und er wurden Geschäftspartner und arbeiten bis heute eng zusammen. Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit hatten schon von Anfang an Priorität für Beide. Der Anspruch an die Produktion in Indien war schon zu diesem Zeitpunkt stets die faire Bezahlung über den dort geltenden Standards, ökologische Sauberkeit, soziale Absicherung und Gleichbehandlung, sowie der absolute Verzicht auf Kinderarbeit. Heute erfüllt die Produktion in Indien sämtliche europäischen Social-Compliance Standards und ist auch GOTS zertifiziert. Mehr dazu gibt es hier.

 

Benisha (25)  und Himal (23) in der Factory in Delhi, 2005

 

Kurz nach dem ersten  Zusammentreffen eröffnete Hamid den ersten Chapati Laden in der Berliner Erich-Weinert-Straße. Neben Kleidung gab es auch Schmuck, Möbel und Tücher aus Indien. Der Name Chapati leitet sich aus dem indischen Brot ab. Chapati steht für den Broterwerb und Selbstermächtigung von Menschen wie Hamid, welche ihr Schicksal in die Hand genommen haben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas Neues geschaffen haben. Etwas woraus sich wieder ein Raum für weitere Menschen zu ihrer Entfaltung und Sicherung ihrer Zukunft ergeben kann. So zum Beispiel der Leiter der Schnittabteilung in der indischen ProduktionsstätteIndien, welcher nach stolzen 41 Jahren verdient und glücklich in Rente gegangen ist oder auch das stetig wachsende Team in Berlin. 

 

Hamid vor dem ersten Chapati Laden, 1997.

 

Sehr bald entwickelte sich eine Synergie zwischen der Berliner alternativen Szene und Chapati. So war Chapati beispielsweise auf Festivals wie der Antaris, oder auf dem Karneval der Kulturen vertreten. Bei Chapati dreht es sich seit Beginn um die Selbstermächtigung durch kreativen Broterwerb in einer Gesellschaft, wo jeder authentisch sein möchte und  wahre Individualität und Authentizität eine Rarität geworden ist. Unsere Kunden liebten von Anfang an die Philosophie, Farbenfreude, die Ärmel mit eingearbeiteten Stulpen, den Königskragen oder Arwenkapuzen. Besonders aber schätzen Kunden bis heute die Qualität und die hochwertigen Stoffe. Samtstoffe und Zipfelkapuzen entwickelten sich über die Zeit zu einem wahren Markenzeichen von Chapati, auch weil nachhaltiger Samt bis heute sehr selten auf dem Markt ist.

 

Genossen wird von unseren Kunden die außergewöhnliche Atmosphäre in den Filialen, in welchen sie bis vor Ausbruch der Pandemie immer ein Glas persischen Tee vom Samowar serviert bekamen. 

 

Sab Musikkonzert, 2006

 

Im Jahr 2000 eröffnete dann die 2te Filiale - der flagship store in der Zossener Straße, welcher bis heute existiert. Nun fing Hamid auch an Verkäufer*innen zu beschäftigen,. Das erste Chapati Team entstand und ist trotz der gewachsenen Mitglieder, bis heute eine wunderbare, familiäre Gemeinschaft.

Der Chapati Flagship store in der Zossener Straße 37 in Berlin. 

 

Wenn man Hamid zu seiner Intention bei der Gründung von Chapati befragt, bekommt man viele verschiedene Antworten, welche ein Mosaik bilden. Ein Teil davon waren die Erfahrungen, die er als junger Asylbewerber aus dem Iran in Deutschland mit Alltagsrassismus gemacht hat. Ein anderer Teil war das gelebte Lebensgefühl, welches er hier nur mit wenigen Menschen teilen konnte. Dieses entsprach nicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft, welche durch Normen geprägt war. Normen wie Menschen auszusehen hatten, wie Sie sich wo zu verhalten hatten, was sie wo anzuziehen hatten. Diese Normen galt es zu sprengen! Dazu gibt es auch ein ausführliches Interview im Tagesspiegel mit dem Titel Berlin hat mich geheilt.

 

Das erste Chapati-Team, 2002. Foto von Christian Muhrbeck.



Wie kann man diese grauen Normen besser sprengen als mit bunten Farben und individuellen Designs? Solche, welche sich von der grauen Mainstream Masse abheben. Die Idee war, dass Menschen durch Mode, einer äußeren Hülle, ihre inneren Werte unterstreichen. Hieraus entwickelte sich der Slogan Be different. Be yourself. 

 

Und nicht zuletzt war der Ansatz nachhaltige Mode aus hochwertigen Stoffen für den Normalverbraucher erschwinglich zu machen. Chapati war eines der ersten Modeunternehmen in den frühen 2000er Jahren, welche Bio-Baumwolle anbot. Man bedenke, dass zu dieser Zeit Fast-Fashion bei der Masse ankam und so angesagt war wie noch nie zuvor. Es war Hamids erklärtes Ziel ein Pionier für nachhaltige Stoffe zu werden, und andere Marken früh zur Nachahmung zu animieren, obwohl der große Hype für nachhaltige Mode erst Jahre später mit der Fridays For Futures Bewegung nach Deutschland kommen sollte. 

Nach und nach entwickelte sich ein Händler Netzwerk für Chapati, welches über die Grenzen Deutschlands hinaus gehen bis nach Frankreich, Holland, Italien und Portugal. Weitere Filialen eröffneten und der erste webshop ging online. Hat das Label mit Damenbekleidung begonnen, so gibt es nun auch einen stetig wachsenden Anteil Männermode. Die Chapati-Community kann sich in Zukunft auf viele neue authentische Kollektionen freuen. Chapati wird sich immer treu bleiben, sich weiterentwickeln mit immer neuen, ausgefallenen Ideen und Wegen, der Welt von heute durch Mode entgegentreten. 

 

Euer Chapati-Team

 

Wer noch mehr erfahren möchte findet hier einen persönlichen Rückblick von Hamid aus dem Jahr 2002. Einen Fotorückblick der Chapati-Kollektionen der letzten 25 Jahre findet ihr hier.

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